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Jungenwohngruppe hat es geschafft – Hezha darf mit

Im August 2015 nahmen wir einen weiteren unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden in unsere Mitte auf. Der damals noch 11-jährige H.Y. kam alleine aus einem umkämpften Kriegsgebiet des Irak mit einer Schlepperbande nach Deutschland. Leider musste er seine Mutter und seine fünf Geschwister dort zurücklassen. Mit diesen traumatischen Erlebnissen kam H. Y. nach Deutschland und lebte zunächst einige Wochen bei seinem Onkel in Herne. Mit Hilfe seines bestellten Vormundes und des Jugendamtes wurde ihm ein Platz in unserer Wohngruppe zugeteilt. Schnell lebte H. Y. sich bei uns ein und lernte die Gepflogenheiten der Jungenwohngruppe kennen. Während des ersten halben Jahres hat er die deutsche Sprache sprechen gelernt. Sowohl in der Schule als auch in der Gruppe fühlte er sich aufgenommen und integriert.
Wie jedes Jahr planten wir dann auch 2016 unseren Sommerurlaub, der uns nach Holland führen sollte. Allerdings mussten wir auf Grund des weiterhin offenen Asylverfahrens die Planung ohne H. Y. gestalten, weil wir ihn unter diesen Voraussetzungen nicht mit über die Grenze nehmen durften.
Uns war der kleine irakische Junge mittlerweile so sehr ans Herz gewachsen, dass wir das so nicht stehen lassen wollten. Wir kooperierten immer wieder mit dem Jugendamt und dem Vormund, um Möglichkeiten zu finden, ihn mit auf die Freizeit nehmen zu dürfen. Wir scheuten keine Mühen, um unter anderem mit
Ausländerbehörden, dem Bundesamt für Migration und der Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Austausch zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt war eine Hochschulpraktikantin der FH Dortmund bei uns in der Jungenwohngruppe, die sich am Prozess des Asylverfahrens beteiligte. Gesetzestexte wurden gewälzt, Anrufe und Behördengänge wurden getätigt, aber auch persönliche Gespräche mit dem Vormund und der Ausländerbehörde und vor allem mit dem Innenministerium haben das Verfahren letztendlich positiv beeinflusst.
So kam nach einem ¾ Jahr intensiver Vorbereitung der Stein ins Rollen, indem wir herausfanden, dass H. Y. definitiv ohne Aufenthaltsgenehmigung nicht mitfahren durfte. Das machte uns sehr traurig, also machten wir uns auf die Suche nach den Ausweispapieren, die sich irgendwo beim Bundesamt für Migration befinden mussten. Es stellte sich heraus, dass es nur an einer Kleinigkeit lag und wir doch nochmal mit der Ausländerbehörde in Kontakt treten konnten, da es definitiv eine Möglichkeit gab, H. Y. mitzunehmen. Daraufhin stellte uns die Ausländerbehörde eine Reisendenliste aus, die bescheinigte, dass H. Y. zu uns gehört und sich mit uns auf der Ferienfreizeit in Holland befindet. Der Schweiß und der lange Atem haben sich gelohnt, sich für unseren H. Y. einzusetzen, denn nur zwei Tage vor der Abreise wurde definitiv klar, dass er mit auf die Freizeit kommen darf!

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