Home / Aktivitaeten / Bildungsfahrt nach Auschwitz – Bericht von Sophie A. (Jugendliche des Kinderheim Herne) und Fotos erstellt durch Fabian Haas (Päd. Mitarbeiter)

Bildungsfahrt nach Auschwitz – Bericht von Sophie A. (Jugendliche des Kinderheim Herne) und Fotos erstellt durch Fabian Haas (Päd. Mitarbeiter)

Wie bereits in den vergangenen Jahren machten sich auch in diesem Jahr erneut  interessierte Jugendliche des Evangelischen Kinderheims Herne auf den weiten Weg nach Auschwitz, auch Oświęcim  genannt. Innerhalb von vier Tagen hatten die 13 bis 20- Jährigen die Möglichkeit sich ein Bild von der NS-Zeit zu machen und einiges über die schreckliche Zeit zu erfahren.          Hierfür standen verschiedene Museumsbesuche, sowie der Besuch im Konzentrationslager „Auschwitz 1“, sowie „Auschwitz-Birkenau“ an.

Ich selbst war eine der Teilnehmerinnen und werde  nun von meinen Eindrücken berichten.

Am Sonntag,  13. Oktober,  19 Uhr fuhren wir, 20 Jugendliche und 7 Betreuer aus verschiedensten Wohngruppen, mit einem Reisebus in Richtung Polen. Insgesamt waren wir 16 Stunden unterwegs und erreichten am nächsten  Morgen  gegen 11 Uhr unser Ziel. Auschwitz, von den Polen Oświęcim genannt. Bereits bei unserer Hinfahrt konnten wir die beiden Konzentrationslager erkennen. Um ehrlich zu sein, war es ein sehr merkwürdiges Gefühl. Sonst kennt man diese  Gebäude schließlich nur aus dem Geschichtsunterricht. Nach unserer Ankunft bezogen wir unsere Zimmer und lernten uns gegenseitig kennen.  Heute stand das Ankommen an erster Stelle. Einige ruhten sich von der langen Fahrt aus, andere erkundeten die Stadt. Am Abend gingen wir gemeinsam essen, anschließend schlafen. Schließlich stand morgen das erste Ziel unserer Reise an, der Besuch der beiden Konzentrationslager.  Am Dienstag, den 15. Oktober, führen wir also mit unserem Reisebus  zum Konzentrationslager.  Man merkte die angespannte Stimmung untereinander. Wir Jugendlichen redeten viel darüber. Stellten uns Fragen: „ Wie wird es wohl sein?“, „Wie wird es wohl aussehen?“ oder machten uns bewusst, dass an diesem Ort Millionen von Menschen ihr Leben verloren. Die Führung durch beide Lager dauerte insgesamt 3 ½ Stunden. Das mag sich vielleicht total lange anhören. Im Nachhinein kann ich sagen, dass die Zeit um alles gesehen zu haben beinahe zu kurz war.

Wir gingen also durch das Tor „Arbeit macht frei“, vorbei an Stacheldraht ins erste Konzentrationslager und sahen die verschiedenen aus Ziegelstein erbauten Gebäude. Eine Teilnehmerin warf in den Raum: „Heute scheint die Sonne an diesem Ort. Man hat gar nicht das Gefühl, dass hier so grausame Sachen geschehen sind.“ Das Konzentrationslager Auschwitz 1,  wurde 1940 errichtet. Hier wurden die gefangenen in verschiedenen Blöcken, auch Baracken genannt, untergebracht. Hierfür wurden die Häftlinge getrennt. So waren zum Beispiel Block 1 bis 10 die sogenannten „Frauenblöcke“. Block 10  wiederrum diente den „Medizinischen-Zwecken“. Versuche an Menschen wurden in diesem Block durchgeführt.  Einen Todesblock (Block 11), gab es ebenfalls.  Hier wurden Menschen gefoltert und getötet. Die sogenannte „schwarze Wand“  befindet sich zwischen diesen zwei Blöcken. Hier erschoss die SS tausende Häftlinge.  Weiterhin mussten die Häftlinge schwere Arbeiten verrichten.  Manche arbeiteten sogar außerhalb des Lagers in eigenen Produktionsstätten.  Wenn die Menschen nicht direkt erschossen wurden, verhungerten sie oder starben an Erschöpfung. 1944 gab es insgesamt 28 verschiedene Baracken. In solch einer Baracke ist es sehr kalt und duster. Die Stufen sind abgetreten und an den Wänden hängen Bilder. Bilder von Häftlingen, kleinen Kindern. Menschen die Hungern und Leid ertragen mussten. Die gefoltert wurden und irgendwann starben. Für uns ist es heutzutage unvorstellbar. Bei dem Moment des Durchgehens fühlt es sich so nah an, und dennoch sehr  weit weg. Unsere zweite Station war das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, auch „Vernichtungslager“ genannt.  Lediglich einige Fahrminuten liegen zwischen den beiden Lagern.  Auschwitz-Birkenau ist ungefähr 40km² groß. Hierfür wurden die eigentlichen Bewohner Auschwitz umgesiedelt. Etwa 140.000 Menschen wurden in diesem Lager untergebracht. Auch dieses Lager wurde unterteilt, in Frauen und Männer. Einen großen Teil des Lagers machten die Gebäude mit Gaskammer aus. Eine solche haben wir uns ebenfalls angesehen. Jedoch war dies nur eine Nachbildung. Die echten Gaskammern, so wie ein sehr großer Teil des Lagers wurde niedergebrannt, um Spuren zu vernichten.  Die Gaskammern ähneln tatsächlich einer Dusche. Jedoch war dies keine Dusche. Durch Zyklon B wurden  insgesamt  1,1 Millionen Menschen getötet. Auch in diesem Lager herrschte Unterdrückung und Gewalt seitens der SS.  Die Häftlinge dort hatten zum Beispiel nur eine Schüssel. Aus der aßen sie, tranken, wuschen sich und verrichteten ihr Geschäft darin. Immer wieder frage ich mich: „Wie können Menschen so etwas tun?“. Auf diese Frage werde ich wohl keine Antwort bekommen.  Anschließend fuhren wir in unser Hotel zurück und verarbeiteten unsere Eindrücke.

Am folgenden Mittag  besuchten wir eine orthodoxe-Synagoge. Hier erführen wir zum einen einiges über die Geschichte des Judentums in Auschwitz und  im Allgemeinen und zum anderen über die Stadtgeschichte. Bis heute sind die Auswirkungen der NS-Zeit sichtbar. Vor dem zweiten Weltkrieg waren fast die Hälfte der Einwohner Juden. Heutzutage leben dort fast keine Juden mehr. Des Weiteren wurden wir darüber aufgeklärt, dass es Antisemitismus schon seit sehr langer Zeit, bereits vor dem zweiten Weltkrieg gibt. Immer wieder kam es zu Bränden in Synagogen.  Auch in dieser Ausstellung wurden wir mit dem zweiten Weltkrieg  konfrontiert. Die komplette Stadt hat sich dadurch verändert. Es ist nichts mehr wie es war. Anschließend gingen wie in eine orthodoxe- Synagoge. Die Jungen mussten eine Kippa aufsetzten.  Diese Symbolisiert die Ehrfurcht vor Gott. Weiterhin begegnet uns immer wieder der Stern; das Zentrale Symbol des Judentums.

Die Zeit verging wie im Flug. Nun war bereits der letzte Tag unserer Reise. Am Donnerstagmorgen mussten wir das Hotel verlassen und luden unsere Sachen in den Bus ein. Gegen Mittag stand unsere letzte Aktivität auf dem Programm. Wir besuchten die Ausstellung des Künstlers  Marian Kołodziej  in einem Kloster. *(…) Kolodziej war  selbst ein Häftling im KZ, mit der Nummer 432. Er hat überlebt und 50 Jahre nach seiner Haft angefangen über das Geschehene zu Zeichnen. Vorher schwieg er. Für viele von uns war diese Art von Ausdruck sehr nahegehend und verständlich. Ich persönlich konnte mit seinen Zeichnungen viel anfangen. Man bekam nicht nur erzählt was andere erleben mussten, sondern fühlten es irgendwie mit. Es war sehr persönlich, weshalb viele von uns Gänsehaut bekamen. Andere kämpften sogar mit den Tränen.  Wenn der Pater erzählte waren alle still und hörten zu.

 

Ausstellung von Marian Kolodziej

Kolodziej wurde am 6. Dezember 1921 in Polen geboren und war selbst ein Häftling im Konzentrationslager, mit der Nummer 432. Mit dem ersten Häftlings Transport (1940) wurde er nach Ausschwitz gebracht. Mit viel Glück überlebte er und fing 50 Jahre nach seiner Haft an, über das Geschehene zu Zeichnen. Vorher schwieg er. Jedoch war „Oswiecim steht’s anwesend“, so der Künstler. Durch das Zeichnen versuchte er die grausamen Erfahrungen irgendwie zu verarbeiten, auch wenn dies seiner Meinung nach gar nicht möglich war. „Jeder der Ausschwitz überlebte blieb sein ganzes Leben lang (….) mit einem schrecklichen Brandmal zurück.“ Die meisten Bilder der Ausstellung sind mit Strichen in Schwarz bzw.  Grau-Weiß gezeichnet worden. Lediglich die Zeiten nach seiner Befreiung hat er in Farbe und in einem anderen Malstil dargestellt. So wirken  die Bilder während der Haft noch unlebendiger und grauenhafter. Die Reihenfolge der gesamten Ausstellung ist wie eine Art Reise angeordnet, angefangen vom Transport nach Ausschwitz bis hin zur Befreiung.  Immer wieder begegnen uns die Motive Tod;  dargestellt durch Angst, Furcht und völlig entkräfteten Menschen, seine Nummer, die 432 und  „Gott“. Der Glaube half Kolodziej sehr und wie der Pater sagte hätte er ohne diesen wahrscheinlich nicht überlebt. Weiterhin stellt der Künstler die Heldentat von Pater Kolbe da, die ihn selber sehr beeindruckte und zudem näher zu Gott brachte. Pater Kolbe war ein polnischer Franziskaner-Minorit, der später zusammen mit Kolodziej in Haft war. Dieser gab sein Leben für dies eines Familienvaters hin. Er starb in Auschwitz, wurde jedoch 1982 heiliggesprochen. Seine Nummer, die 16670 finden wir ebenfalls in einigen Bildern vor. Die Ausstellung umfasst insgesamt mehr als 250 Bilder. Für viele von uns war diese Art von Ausdruck sehr nahegehend und verständlich. Ich persönlich konnte mit seinen Zeichnungen viel anfangen. Man bekam nicht nur erzählt was andere erleben mussten, sondern fühlten es irgendwie mit. Es war sehr persönlich, weshalb viele von uns Gänsehaut bekamen. Andere kämpften sogar mit den Tränen.  Wenn der Pater erzählte waren alle still und hörten gespannt zu.

 

Ausstellung von Marian Kolodziej

Mittlerweile sind wir, bin ich wieder  in Herne angekommen. Und immer noch reden wir über das Erlebte oder denken darüber nach. Sowohl positiv als auch negativ. Wir können froh sein, das wir heutzutage in Deutschland keinen Krieg haben.  Aber wir müssen an diese schreckliche Zeit erinnern. Wir dürfen dies nicht vergessen, damit so etwas nie wieder passiert. Oft redet man darüber, über die NS Zeit. Danach ist es wieder weg. In den letzten 4 Tagen war es jedoch sehr nah.

Bericht: Sophie A. (Jugendliche des Kinderheim Herne)
Fotos: Fabian Haas (Päd. Mitarbeiter)

Print Friendly, PDF & Email
Top