Wir stellen uns vor

Das Programm FamilienFokus, entwickelt von Thorsten Poersch (Diplom-Sozialpädagoge) und Diana Poersch (Diplom-Pädagogin), versteht sich als familienorientierte Förderung und Beratung im Rahmen der ambulanten Erziehungshilfemaßnahmen gemäß KJHG § § 28,30, 31, 35, 35a).

FamilienFokus richtet sich an Kinder und Jugendliche aus konfliktbelasteten familiären Beziehungen, die durch Beeinträchtigungen im emotionalen, sozialen oder Leistungsverhalten auffallen, sowie deren Eltern.

Wir bieten unsere Arbeit sowohl einzeln, oder auch als Paar an (Mann/Frau oder Mann/Mann).Denn je nach Familie, nach individuellen Schwerpunkten und Problembereichen kann eine weibliche oder eine männliche Bezugsperson sinnvoller sein. Ebenso gibt es oftmals Konstellationen, bei denen es besonders hilfreich ist, als Paar in Aktion zu treten.
Auf diese Weise lassen sich Rollenkonflikte, die häufig entstehen können, wenn eine Einzelperson in einer Familie arbeitet, vermeiden. So ist es beispielsweise möglich, dass ein Pädagoge schwerpunktmässig die Elternarbeit übernimmt, während der andere verstärkt kindzentriert arbeitet. In regelmässigen Familienkonferenzen kommt die gesamte Familie dann zusammen, um an Problemdefinitionen, Zielen und Problemlösestratgegien zu arbeiten. Während der eine Pädagoge nun tendenziell die Eltern unterstützt, kann der andere die Rolle „Anwalt des Kindes / der Kinder“ übernehmen. In dieser Konstellation findet ein regelmäßiger Austausch zwischen uns statt, so dass die kind- und elternzentrierte Arbeit stets aufeinander abgestimmt ist.

Schwerpunkte auf einen Blick

Familienberatung, Lösungsorientierte Beratung, Familienarbeit, Familien-/Elterntraining systemische Familientherapie, Kunsttherapie, Erlebnis-/Freizeitpädagogik

2. Wem nützt FamilienFokus?

Die Angebote richten sich an die Jugendhilfe, die Eltern in ihren Erziehungsfragen unterstützt. Die Jugendhilfe steht bereit, wenn Konflikte zwischen Eltern und Kindern/Jugendlichen der Lösung bedürfen. Die Auftraggeber können Jugendämter oder andere soziale Institutionen sein (z.B. Kinderheime).

Zur Zielgruppe gehören:
Kinder und Jugendliche, die aufgrund von konfliktbelasteten Familien- und Lebenssituationen Schwierigkeiten mit sich und ihrer sozialen Umwelt haben und /oder in ihrem sozialen Umfeld, z.B. Familie, Schule nicht ausreichend integriert sind.
Kinder und Jugendliche, denen mögliche soziale Schwierigkeiten prognostiziert werden und mit denen präventiv gearbeitet werden kann. Kinder und Jugendliche, mit manifestierten Auffälligkeiten und Entwicklungsdefiziten.
Familien mit mangelnder Erziehungskompetenz. Familien, die motiviert sind, ihre Familiensituation dauerhaft zu verbessern.
Die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen schließt nach Möglichkeit die Arbeit mit der gesamten Familie ein. Die Kooperation mit Lehrern, Behörden, Beratungsstellen, etc. sind ebenfalls Inhalt des Konzeptes.

3. Kernziele der Hilfe

3.1 übergeordnete Ziele

Verbesserung der Familiensituation
Vermeidung von Fremdunterbringung
(Re-) Konstruktion von Lebensumfeldern, die eine gesunde Entwicklung der Kinder /Jugendliche ermöglichen.

3.2 Teilziele (die nötig sind, um die übergeordneten Ziele zu erreichen)

Befähigung der Eltern zu eigenverantwortlichem erzieherischen Handeln
Förderung von Selbstreflexion und Erarbeitung neuer Lebensperspektiven und -strategien
Erlernen und Festigung pro-sozialen Verhaltens, Förderung / Reaktivierung und Stabilisierung einer tragfähigen Beziehung   zwischen Eltern und Kinder
Befähigung zur Strukturierung und Organisation des Alltags, Klärung und Festlegung von Verantwortlichkeiten innerhalb der Familie ( z.B. Arbeitsaufteilung im Haushalt)
Befähigung zur Bewältigung von Krisen, Erlernen von Problemlösestrategien
Nutzen und Erweitern von familiären Ressourcen
Erlernen einer ausgleichenden Freizeitgestaltung
Aufbau eines unterstützenden sozialen Netzwerkes

4. Rahmenbedingungen

4.1. Rechtliche Grundlagen KJHG §28

Erziehungsberatung:
Beratung bei der Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme und der zugrunde liegenden Faktoren und Erziehungsfragen.

KJHG §30 Erziehungsbeistand:
Das Kind oder der Jugendliche soll bei der Bewältigung von Entwicklungsproblemen möglichst unter Einbeziehung des sozialen Umfelds unterstützt werden. Unter Erhalt des Lebensbezugs zur Familie ist seine Verselbstständigung zu fördern.

KJHG §31 Sozialpädagogische Familienhilfe:
Sozialpädagogische Familienhilfe soll durch intensive Betreuung und Begleitung Familien bei der Lösung von Alltagsproblemen und der Bewältigung ihrer Erziehungsaufgaben unterstützen. Ferner wird Unterstützung im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe bei der Lösung von Konflikten und Krisen, sowie im Kontakt mit Ämtern und Institutionen gegeben. Sozialpädagogische Familienhilfe ist in der Regel auf längere Dauer angelegt und erfordert die Mitarbeit der Familie.

KJHG §35 Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung:
Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung soll Jugendlichen gewährt werden, die einer intensiven Unterstützung zur sozialen Integration und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung bedürfen. Die Hilfe ist in der Regel auf längere Zeit angelegt und soll den individuellen Bedürfnissen des Jugendlichen Rechnung tragen.

KJHG §35a Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche in ambulanter Form:
Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche, die seelisch behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht sind.

4.2 Räumlichkeiten

Grundsätzlich findet unser Beratungsangebot im gewohnten Umfeld der Familie statt. Verhaltensänderungen sollen dort eingeübt werden, wo sie im Alltag benötigt werden, also in der Regel im eigenen zu Hause der Familien. Darüber hinaus kann es jedoch auch wichtig sein, neutrale Räume für (Einzel-) Gespräche anzubieten. Die Möglichkeit ergibt sich durch die dafür angemieteten Büro-/Atelierräume. Diese werden ebenfalls genutzt, um mit Familien oder Familienmitglieder kunsttherapeutisch tätig zu werden.
Gerade wenn verbale Möglichkeiten erschöpft, blockiert oder begrenzt sind, erweist sich die Kunst als wichtiger Zugang zum Klienten.

Mit einer Vielzahl von Materialien kann hier großflächig gearbeitet und gestaltet werden. Das großzügige Raumangebot ermöglicht außerdem Gruppentrainings und Projekte.

5. Unsere Arbeit

5.1. Grundsätze von FamilienFokus

Unsere Arbeit setzt dort an, wo die betreuten Kinder und Jungendlichen ihren Lebensmittelpunkt haben oder wiedererhalten sollen: in den Familien. Wir sehen Familien als Einheit, bestehend aus Eltern und Kindern, die vorzugsweise nicht getrennt voneinander behandelt werden.
Unsere Arbeit geht von der Grundhaltung aus, dass es einem Kind in der Regel am meisten nützt, wenn man die Familie, in der es lebt, als Einheit stärkt.
Eltern werden zu Partnern: Ziele und Lösungswege werden gemeinsam erarbeitet. Neue Verhaltensweisen werden gemeinsam eingeübt, Ressourcen von Familien werden (re)aktiviert.
Eltern werden unterstützt Fortschritte zu registrieren und befähigt sie zu stabilisieren. Auf diese Weise erfahren sie sich als kompetent und gewinnen die Kontrolle über ihr eigenes Leben (zurück).
Für Verhaltensauffälligkeiten im Kinder- und Jugendalter hat sich ein multikausales Erklärungskonzept durchgesetzt: Demnach sind Verhaltensstörungen nicht auf eine Ursache zurückzuführen, sondern vielfältige Bedingungen auf verschiedenen Ebenen (z.B. intrapersonelle Prozesse, Verhalten der Eltern, Interaktion mit Geschwister, Erfahrungen in der Schule oder Gleichaltrigengruppe) führen zur Entstehung und Aufrechterhaltung von auffälligem Verhalten.

Das Angebot der FamilienFokus trägt dem durch ein multimodales Vorgehen Rechnung, weil oben genannte Ebenen identifiziert und zum Ausgangpunkt der pädagogischen Arbeit gemacht wird. Das heißt kindzentrierte Arbeit wird ergänzt durch Elternarbeit, Miteinbeziehen der Geschwister, Zusammenarbeit mit den Lehrern, anderen Kindern in Kleingruppen usw. Je nach Bedarf / Bedürfnissen der jeweiligen Familie können dann Eltern- bzw. familienorientierter Beratungsdienst, intensive Individualmassnahme ggf. in Kombination mit therapeutircher Förderung oder sozialpädagogischer Familienhilfe stärker fokussiert werden.
Die umfassenden Hilfen im Rahmen der Familienaktivierung zeichnet sich darüber hinaus durch Methodenvielfalt aus.

Je nach Problemlage und Zielsetzungen werden geeignete Methoden ausgewählt (Baukastenprinzip!), die flexibel den aktuellen Bedürfnissen der Familie angepasst werden können (vgl. 5.1. und 5.2.).
Eine frühzeitige und multimodale und muldimethodale Behandlung zeigt besonders positive Erfolge und kann somit häufig eine Fremdunterbringung des Kindes rechtzeitig verhindern.

5.2 Pädagogisch-therapeutische Angebote

Die elternzentrierte Beratung (Elternaktivierung) wird von der kindzentrierten Arbeit ergänzt. Beide sind aufeinander abgestimmt.
Zusätzlich finden Familienkonferenzen statt, an denen möglichst die gesamte Familie teilnimmt, Ziele und Problemlösestrategien erarbeitet. Die Elternaktivierung kann, je nach Bedarf der Familie Familienberatung / -förderung, Familientraining, Erziehungsberatung, Erziehungsbeistand und sozialpädagogische Familienhilfe beinhalten. Zunächst wird eine Familiendiagnostik durchgeführt. Die Erarbeitung eines Konfliktes erfolgt durch die Problemdefinition aller Familienmitglieder.

Über Konsenserarbeitung werden gemeinsame Ziele entwickelt, die die Grundlage zur Erstellung des Familienaktivierungsplanes (Handlungsplan) darstellen. Zentral sind neutrale Problembenennungen, Benennung positiver Ziele und Vermeidung von Schuldzuweisungen.
Methodisch kommen Zielplakate (Problemwolke) zum Einsatz. Diese werden zur Verlaufsplanung immer wieder aufgegriffen.

Die pädagogische Arbeit findet vorrangig im Alltagsgeschehen der Familie statt. Hier können, je nach Fähigkeiten und Bedürfnissen der Familie Verhaltensänderungen u.a. durch Rollenspiele, Kommunikationstrainings, Life-Begleitung/ Coaching, Video-Training, Übungen zur Kontakt- und Beziehungsaufnahme, Wahrnehmungstraining zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, erreicht werden.

Je nach Ressourcen der Eltern erhalten Sie Informationen über Erziehungsmechanismen. Bei der Erprobung und Übung der neuen Handlungsweisen werden die Eltern angeleitet und unterstützt, bis diese funktionierenden Erziehungsmuster die alten, nicht funktionierenden ersetzen können.

Oben genannte Schwerpunkte werden je nach Lebenssituation und Problembereichen eines Kindes / Jugendlichen ausgewählt (Baukastenprinzip).

5.3 Vorteile von FamilienFokus auf einen Blick

Weibliche und männliche Mitarbeiter ermöglichen geschlechtsspezifisches Arbeiten. Je nach Bedarf können Einzelpersonen oder Paare eingesetzt werden. Der Einsatz als Paar beinhaltet viele Chancen, wie die Möglichkeit Rollen- und Interessenkonflikte innerhalb einer Familie zu verhindern (s.o.).

FamilienFokus arbeitet nach einem gemeinsamen pädagogischen Konsens (gemeinsame Ziele, Grundsätze, gemeinsames „Handwerkzeug“).
Darüber hinaus zeichnen wir uns jedoch durch unterschiedliche Spezialisierungen aus. Damit entsprechen wir der Vielseitigkeit pädagogischer Herausforderungen. Wir stehen in einem regelmässigen Austausch und profitieren von gegenseitiger Beratung.

Darüber wird FamilienFokus durch einen externen Supervisitor unterstützt. Regelmässige Fortbildungen garantieren eine Anpassung an aktuellen Standards, sowie fortlaufende Spezialisierungen.

Ev. Kinderheim
Jugendhilfe Herne & Wanne-Eickel gGmbH
Overwegstraße 31, 44625 Herne
Tel.: 02323/99494-61
Fax: 02323/99494-55



Mitarbeiter:


Thorsten Poersch Projektleiter
David Marlog Pädagogischer Mitarbeiter
Katrin Schwabe^ Pädagogische Mitarbeiterin

Herne, Oktober 2008