Im Kindes- und Jugendalter treten zahllose Belastungen auf, die
zu Bewältigungsproblemen führen können. Die Phase der Kindheit
ist oft durch erzieherisches Desinteresse, Verwahrlosung und
Perspektivlosigkeit, sowie durch Überbelastung, zu hohe
Anforderungen und Stress geprägt.
In der Gesellschaft wird das Bild von Jugend als Krise
gezeichnet: erhöhte Unfallgefährdung, bestimmte psychische
Störungen werden zum ersten Mal manifest, Alkohol- und
Drogenmissbrauch, Disziplinprobleme und verfrühter Abbruch der
Ausbildung zählen zu den beängstigenden Begleiterscheinungen.
Wenn auch einzelne Entwicklungen weniger dramatisch verlaufen, so
führen doch Verhaltensweisen wie emotionale Ambivalenz,
Aggressivität und provozierendes Benehmen zu einer ganz
bestimmten Wahrnehmung dieser Entwicklungsphase.
Die Jugendlichen erlernen, bisherige delinquente Verhaltensmuster
und Orientierungen durch neue zu ersetzen.Parallel dazu erhält
der Jugendliche Orientierung und Sicherheit durch die vorgegebene
Gruppenstruktur. In der Folge soll dieses neu erlernte Verhalten
soweit gefestigt werden, dass nach der Entlassung aus der
Wohngruppe Grundlagen für eine weitere Betreuung durch weniger
intensive Jugendhilfeangebote gegeben sind.
In diesem Sinne kooperiert Go On mit der Intensivwohngruppe „Stop
and Go“!
U-Haft Vermeidung/Verkürzung für männliche Jugendliche! Hier gilt
es Verantwortung zu übernehmen und als Ansprechpartner den
Jugendlichen zur Seite zu stehen.
Wir nehmen besonders problematische und delinquente Jugendliche
auf.
Wir bieten:
· Diagnostik
· Verbleib in der Wohngruppe zur ressourcenorientierten Förderung
· Vermittlung des Jugendlichen in ein entwicklungsförderndes
Jugendhilfeangebot
2.
Lage
Die Wohngruppe Go On ist in das Ev. Kinderheim Herne integriert.
In dem Gebäude der Gruppe in zentrumsnaher Lage, befinden sich
Plätze für 5 Jugendliche. Für jeden Jugendlichen steht ein
eigenes Zimmer zur Verfügung. Darüber hinaus stehen mehrere
Gruppenräume, ein Raum für die Nachtbereitschaft der Mitarbeiter,
sowie Bäder und eine Küche zur Verfügung. Des Weiteren kann die
heimeigene Turnhalle für Sport und Bewegung genutzt werden.
Ausstattung und Möblierung der Räume erfolgen nach den in der
Jugendhilfe üblichen Kriterien.
3. Aufnahme und Zielgruppe
Das Angebot richtet sich schwerpunktmäßig an männliche
Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, sowie
Jugendliche, die zuvor zur U-Haftvermeidung im Projekt Stop and
Go! untergebracht waren und an Jugendliche, für die aufgrund
ihrer Problematik eine Förderung in dieser Gruppe sinnvoll
erscheint. Das Täterprofil kann bei den Jugendlichen Straftätern
unterschiedlichste Variabeln aufzeigen. Die Delikte reichen von
Ladendiebstahl über Körperverletzung, schwere Körperverletzung
bis hin zu Raub und räuberischer Erpressung. Bei den meisten
dieser Fallkonstellationen bestehen keine vordeliktischen
sozialen Kontakte zwischen Tätern und Opfern.
Der Jugendliche befindet sich in einer Lebensphase mit einer
anspruchsvollen Anforderungsstruktur, die ihm die Ausbildung
neuer, situationsadäquater Bewältigungsstrategien abverlangt.
Dass dies aufgrund der vielschichtigen und miteinander verwobenen
Entwicklungsaufgaben in der Adoleszenz kein einfacher Prozess
ist, drückt sich in zumindest phasenweise konflikthaftem
Verhalten vieler Jugendlicher aus.
Gewaltbereite Jugendliche neigen dazu, anderen Menschen in
unklaren Situationen feindselige Absichten zu unterstellen und
aggressiv zu reagieren. Unser Konzept ist programmatisch so zu
verstehen, dass mit dem Eintritt in die Gruppe eine Fortführung
des bisherigen Verhaltens gestoppt werden soll.
Dies geht einher mit einer möglichst genauen Analyse der
Bedingungen, die zur Delinquenz geführt haben.
Eine Voraussetzung ist es, dass bei den aufzunehmenden
Jugendlichen eine gewisse Einsicht in ihre Problematik und die
Bereitschaft, daran zu arbeiten, vorhanden ist.
Ebenso hat für uns die Aufnahme und das Ankommen in der Gruppe
einen hohen Stellenwert für die weitere Betreuung und erhalten
auch zeitlich einen entsprechenden Raum.
Planung der Tagesstruktur
· Erarbeiten der Grundlagen des gemeinsamen Wohnens
· Vermittlung in und Begleitung während der
Schul-/Berufsausbildung
· Aufarbeitung der Konflikte, die der Delinquenz, bzw. der
persönlichen Problematik, zugrunde liegen
· Perspektivplanung
Förderung von Arbeits- und Sozialverhalten
Erhöhung der Eigenverantwortlichkeit
Mögliche weitere Einzelziele der Betreuung
· Verbesserung der Eigen- und Fremdwahrnehmung
· Erarbeiten von Lösungsmöglichkeiten für Konfliktsituationen
· Erhöhung der eigenen allgemeinen Handlungskompetenz
(Umgang mit Taschengeld; In Absprache Behördengänge erledigen;
Einkäufe tätigen, sinnvolle Freizeitgestaltung etc.)
· Erhöhung von Selbstwertgefühl und sozialer Kompetenz
· (Erfolge ermöglichen innerhalb der Gruppe sowie außerhalb in
Schule oder Berufsausbildung)
· Ansätze zur Aufarbeitung familiärer Ablösungsprozesse schaffen
sowie Hilfen bei deren Bewältigung bieten.
· Vereinbarung weiterer Ziele innerhalb des Hilfeplanverfahrens.
Von einer Aufnahme ausgeschlossen sind Täter mit
einer exzessiven Drogenproblematik und psychisch auffällige
Delinquente.
Methoden
Neben unserem eng strukturierten Betreuungsrahmen ist unser
pädagogisches Handeln grundsätzlich ressourcenorientiert und im
Sinne einer konstruktiven Zusammenarbeit und Entwicklung des
Jugendlichen parteilich.
In der konkreten Umsetzung der Ziele der Unterbringung kommen
sozialpädagogische und gruppenpädagogische Ansätze zur Anwendung.
Die Orientierung hierbei ist gesprächs- und handlungsbezogen. In
die Arbeit fließen auch erlebnispädagogische Maßnahmen ein.
Die Gruppe als Lernfeld ist ebenso bedeutsam, wie die
ausführliche individuelle Betreuung.
Gruppe zur Förderung von Arbeits- und Sozialverhalten /
Coolnesstrainining:
Diese Pflichtarbeitsgruppe wendet sich dem Aufbau von Kompetenzen
im Arbeits- und Sozialverhalten zu. Im Focus steht hier der
Umgang mit Aggressionen und sozialer Unsicherheit, sowie die
Erarbeitung einer realistischen, beruflichen Perspektive.
· Kompetenzgruppe:
Zur wöchentlichen Pflichtveranstaltung zählt unsere
Kompetenzgruppe. Hier bearbeiten die Jugendlichen in sozialer
Gruppenarbeit und durch Einzelinterventionen die Ursachen
ihrer Problematik bzw. Ihrer Delinquenz auf und erlernen neue
soziale Kompetenzen. Themen können hier z. B. sein: die Tat aus
Sicht des Opfers, Deliktrekonstruktion, Bilanzierung, Erarbeitung
von Perspektiven und Alternativverhalten. · Sportangebote:
Ein mal pro Woche findet ein verbindliches Sportangebot
((Schwimmen, Fußball, Trampolinspringen, etc.) bzw. ein
psychomotorisches Angebot statt.
· Entspannungsangebote:
Nach motopädagoischen Ansätzen (z.B. Muskelrelaxation nach
Jacobson) erlernen und erproben
die Jugendlichen u. a. Entspannungsübungen und erleben damit eine
veränderte
Körperwahrnehmung bzw. ein verändertes Körpergefühl.
· Verstärkerprogramm:
Durch unser täglich angewandtes Tokenprogramm wird das Verhalten
permanent gespiegelt und
reflektiert. Sozial erwünschtes Verhalten wird hierdurch für den
Jugendlichen transparent und
Stabilisiert.
Als Zusatzangebot bieten wir das Diagnoseverfahren nach MIVEA,
psychologische Diagnostik, motopädagogische Diagnostik,
Schulleistungsdiagnostik, IQ-Testung und ergotherapeutische
Diagnostik an.
5.
Beendigung der Maßnahme
Eine vorzeitige Beendigung der Betreuung ist möglich, wenn der
Jugendliche nicht zur pädagogischen Mitarbeit bereit ist, andere
Bewohner gefährdet oder erneut straffällig wird.
6.
Zusammenarbeit
Die Gruppe Go On steht im engen Kontakt mit der ortsansässigen
Polizei.
Die Mitarbeiter des Projektes arbeiten mit allen Schulen,
Schulformen, einschließlich der Schule für Erziehungshilfen,
sowie Zentren der beruflichen Förderung zusammen. Alle im
Lebensfeld dieser Jugendlichen liegenden medizinischen,
therapeutischen und freizeitpädagogischen Angebote können
wahrgenommen werden.
Unsere Einrichtung verfügt über ein differenziertes Angebot für
Jugendliche und junge Erwachsene (siehe Organigramm).
7.
Einbindung in die Institution
Regelmäßige Fachberatungen, Teamgespräche und Coachings werden
durch die pädagogische Leitung der Jugendhilfeeinrichtung
gewährleistet, Diagnostik, Therapie und Krisenintervention durch
den interdisziplinären therapeutischen Dienst des Kinderheimes
sichergestellt.
Fall- und Teamsupervision werden von externen Fachkräften
geleistet.
Außerdem können alle weiteren Dienste/Fachkräfte der Einrichtung
in Anspruch genommen werden, wie Freizeitpädagoge, Lehrer,
Qualitätsbeauftragter, Fahrdienst etc.
8.
Weiterführende und ergänzende Maßnahmen
Sämtliche Angebote unseres Hauses, die aus dem beigefügten
Organigramm entnommen werden können, sowie nachgehende ambulante
Familienarbeit, können als Folgeangebote ebenfalls wahrgenommen
werden.
9.
Zusammenarbeit mit den Jugendämtern
Die Modalitäten für die Zusammenarbeit mit Jugendämtern ergeben
sich zum einen aus dem KJHG, zum anderen aus Absprachen und
Notwendigkeiten im einzelnen Fall. Im Sinne eines
funktionierenden vernetzenden Angebotes ist es notwendig, dass
auch Vertreter der Jugendämter von Anfang an und dauerhaft
intensiv an der Gestaltung des Hilfeprozesses beteiligt sind.
10.
Personelle Ausstattung
Für die intensive Betreuung der 5 Jugendlichen stehen 4,5
pädagogische Fachkräfte zur Verfügung.
Eine intensive Team- und Fachberatung ist obligatorisch.