Ein Phänomen industrieller Länder sind die
Zivilisationskrankheiten, die durch bestimmte Risikofaktoren
ausgelöst werden. Die Faktoren mit den weitest reichenden Folgen
für die Volksgesundheit werden für zukünftige Generationen
Übergewicht und Adipositas sein. Schon jetzt schätzt die Deutsche
Gesellschaft für Ernährung jedes fünfte Kind und jeden dritten
Jugendlichen als übergewichtig ein. Somit sind auch Kinder und
Jugendliche aus Familien die stationäre Jugendhilfe beanspruchen,
immer häufiger adipös.
Kennzeichnend ist ihr unangemessenes Eßverhalten und die
mangelnde Mobilität, die zu einer Wahrnehmensbeeinträchtigung
führt.
Es finden Mädchen und Jungen Aufnahme, denen ein sicheres
pädagogisches Umfeld und damit eine altersadäquate Entwicklung
durch ihr Elternhaus nicht mehr geboten werden kann. Das
pädagogisch-therapeutisch angelegte Wohnbetreuungsprogramm bietet
Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht bzw. Adipositas ein
interdisziplinäres Lern- und Wohnumfeld unter Einbeziehung der
Kindeseltern an.
Süchtiges Verhalten ist Flucht, Ablehnung, Verweigerung und
stummer Protest.
Eßsüchtige Menschen schlucken ihre Gefühle - häufig Ärger, Wut
oder Traurigkeit -herunter.
Das ist ihr Weg, z.B. mit Zurückweisung und innerer Leere
umzugehen.
Im ersten Moment ist das Essen für sie häufig die einzige Freude
und der einzige Trost.
Doch dann verlieren sie während der Mahlzeit die Kontrolle über
die Nahrungsaufnahme und sie fühlen sich hoffnungslos
ausgeliefert.
Das Vorurteil, Dicke seien faul, träge und unbeherrscht und die
vielen weiteren Diskriminierungen, denen sie ständig ausgesetzt
sind, erhöhen ihre Minderwertigkeitsgefühle.
Sie trösten sich wiederum mit Essen und geraten damit in einen
fatalen Kreislauf.
Diesen Kreislauf wollen wir mit unserem individuell abgestimmten
Angebot des Modul-Projekts durchbrechen und den Weg zu dem
persönlich empfundenen Wohlfühlgewicht, einem tolerierbaren BMI,
einem lustvollen Umgang mit dem Essen und viel Spaß und Freude am
Leben ebnen.
Inzwischen geht die Entwicklung bei der Ernährung für
übergewichtige Kinder, der Arbeitsgemeinschaft Adipositas (a-g-a)
folgend, zu einem erlernten ausgewogenen Ernährungs- und
Bewegungsverhalten, statt zu radikalen Fastenkuren mit
„Jojo-Effekt“. Aufgrund dessen lernen Kinder und Jugendliche bei
uns eine tägliche ausgewogene Ernährung als Normalität kennen und
sollen sich bei der Lebensmittelbeschaffung, sowie -zubereitung
erproben. Motopädagogische, erlebnispädagogische, sportliche und
musisch-kreative Betreuungseinheiten fördern das eigene
Körpergefühl, die Gesundheit und Motivation und runden das
Programm ab. Somit setzen wir neben dem Sozialen Lernen für
Kinder mit defizitärer Sozialisation und Traumata durch
Vernachlässigung, Gewalt und Verlust, genau so auf das Erlernen
des elementar wichtigen Essens.
Integrativ-Pädagogisch-Therapeutischer Ansatz
Wir verstehen unsere Arbeit mit Mädchen und Jungen ganzheitlich
und systemisch. Ganzheitlich bezieht die geistigen, seelischen
und körperlichen Ebenen menschlichen Lernens und Erlebens ein.
Systemische Ansätze handeln ressourcenorientiert unter
Einbeziehung von peer-groups, Eltern und weiteren wichtige
Lebenspersönlichkeiten. Deswegen gliedert sich unser
pädagogisches Handeln in 3 Bausteine, die äquivalent zueinander
in Beziehung stehen.
Dieser integrative Ansatz fördert die gegenseitige Akzeptanz
zwischen normal gewichtigen und übergewichtigen Kindern und zeigt
allen eine Normalität des Zusammenlebens.
2. Lage
Je nach Gruppe.
3. Aufnahme
Vor der Aufnahme finden Informations- und Aufnahmegespräche mit
allen am Hilfeprozess beteiligten Personen (Kind/Jugendliche;
Eltern/Sorgeberechtigte, Erziehungsleitung, pädagogische
Mitarbeiter, Jugendamt) statt.
4. Zielgruppe
Aufgenommen werden adipöse/übergewichtige Mädchen und Jungen ab 6
Jahren bzw. Schulalter. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen
zeigen auf Grund ihrer Erfahrungen und Erlebnisse durch ihr
bisheriges Leben oft ein breites Spektrum an Auffälligkeiten und
Entwicklungsdefiziten.
So leiden viele Kinder/Jugendliche unter seelischer und
körperlicher Beeinträchtigung. Die Entwicklung von Körper und
Geist ist oftmals nicht altersgemäß ausgebildet. Mangelndes
Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen gehen oft einher mit
extremer Introvertiertheit und allgemeinem Misstrauen gegenüber
fremden Personen. Aber ebenso kann sich Distanzlosigkeit,
Aggressivität und auch depressives Verhalten zeigen.
Lernschwierigkeiten, Ernährungsstörungen und unklare
Rollenidentifikationen sind häufig zu beobachten.
5. Förderziele
Wir schaffen ein pädagogisches Klima mit überschaubaren und
strukturierten Rahmenbedingungen mit einer verlässlichen
emotionalen Zuwendung. Ebenso wichtig zeigt sich für die adipösen
Kinder die medizinisch-therapeutische Fürsorge und Pflege.
Folgende Ziele sind Inhalte unsere Erziehungsplanung:
- Entwicklung von Vertrauen zu sich und anderen
- Lebenssteigernde Mobilität schaffen
- Teufelskreis STREß-ESSEN durchbrechen
- Ressourcenorientierte und altersgemäße Entwicklung Ausbildung
eines demokratischen Menschenbilds
- Ausprägung einer gesunden Ernährungsweise und eines positiven
Körpergefühls
- Erlernen und Üben notwendiger Kulturtechniken wie
hauswirtschaftliche Fertigkeiten, Umgang mit Geld, Behörden,
Ärzten ...
- Ausbildung einer geschlechtspezifischen Identifikation und
Erlernen eines respektvollen Umgangs mit Andersgeschlechtlichen
- Aufarbeiten und Abbau von Versagensängsten
- Selbstwert steigern
- Akzeptanz schaffen für die mit der Essstörung verbundenen
Problematik
6. Methoden
Folgende Methoden tragen der Entwicklung und den besonderen
Problemstrukturen unserer Kinder und Jugendlichen Rechnung:
- Diagnostik in Zusammenarbeit mit Ärzten und der Kinder- und
Jugendpsychiatrie
- Situationsanalyse
- Erziehungsplanung
- Gruppenarbeit mit Rollen- und Interaktionsspielen
- Einzelarbeit mit klientenzentrierter Gesprächsführung
- Elternarbeit nach Triangel-Modell
- Motopädagogische Angebote
- Ernährungs- und Zubereitungstraining durch einen
Dipl.Oecotrophologen
- Freizeit- und erlebnispädagogische Angebote
- Krisenintervention
- Nachsorge
7. Zusammenarbeit
Alle im Lebensumfeld der jeweiligen Wohngruppe befindlichen
sozialen Institutionen, Ärzte, Beratungsstellen, Vereine, Gruppen
können und werden von uns in Anspruch genommen. Ebenso arbeiten
wir eng mit Schulen zusammen.
8. Einbindung in die Institution
Regelmäßige Fachberatungen, Teamgespräche und Coachings werden
durch die pädagogische Leitung des Kinderheims gewährleistet.
Diagnostik, therapeutische Begleitung und Krisenintervention
werden durch den Interdisziplinären Dienst der
Jugendhilfeeinrichtung sichergestellt.
Außerdem können noch Freizeitpädagogen und Schulpädagogen in
Anspruch genommen werden.
9. Weiterführende und ergänzende Maßnahmen
Andere Angebote unseres Hauses, die Sie auf unserer Website
http://www.ev-kinderheim.herne.de finden, können
ebenfalls wahrgenommen werden.
10. Zusammenarbeit mit den Jugendämtern
Die Modalitäten für die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern
ergeben sich zum einen aus dem
SGB VIII und zum anderen aus Absprachen und Notwendigkeiten des
Einzelfalls.
11.Mitarbeiter/innen
Je nach Gruppe
12. Personalanhaltswert pädagogischer
Mitarbeiter
Je nach Gruppe
Aufnahmeanträge richten sie bitte an die Heimleitung